Ernährung bei Kindern – ein zumeist sehr unterschätztes Unterfangen!

 

Tagtäglich blicke ich in die Einkaufswägen meiner mütterlichen Mitstreiterinnen und meistens stellt es mir die Haare auf.

Von der (noch harmlosen) Gummibärchen-Tüte über Frucht-Tiger, Knoppers, Milchschnitten, Chips, Kinder-Schokolade, Butterkekse und meine Lieblinge die Fruchtzwerge. Alles gut vertreten.

Hier nur ein paar Beispiele genannt. Auf ein paar derer ich jedoch gerne kurz näher eingehe. Um alle anderen Schweinereien zu erläutern, würde es diesen Rahmen sprengen…
OK, die klassischen Gummibärchen - ich glaube, fehlt in keinem (Kinder-)Haushalt, übrigens auch nicht in meinem… Eine Durchschnittspackung (200g) kommt auf sage und schreibe 686 kcal, davon 90g reiner direkter und unverfälschter Zucker, der direkt in unsere Blutbahnen schießt. Stellt Euch mal 30 Zuckerwürfel vor. Das wäre dann in etwa der Inhalt. Nährstoffe weit gefehlt. Ich rechne nochmal ein bisschen weiter. So eine 200g-Tüte beinhaltet ca. 90 Bärchen. Nach Adam Riese stehen dann 3 Gummibärchen einem Zuckerwürfel (bzw. 23kcal) gegenüber…. Hmm… 3 sind ja schwups weg, oder?

Ach, von der Tatsache, dass man sich hier gerade Auszüge aus Rinder- und Kalbsknochen, Knorpel, Sehnen und anderen Geweben reinzieht - daraus wird nämlich Gelatine gewonnen - möchte ich mal ganz absehen.
Kaufen wir wenn doch die Guten aus dem Reformhaus mit pflanzlicher Gelatine - quasi die Vegan-Variante. Fürs Gewissen…

Nun zum Frucht-Tiger. Man muss schon zugeben, die Marketing-Abteilung hat gute Dienste geleistet, der Aufdruck ist in der Tat der signalträchtigste aller Fruchtsaft-Getränke (Ich diskutiere auch täglich mit meinen Großen…). Ausserdem steht doch drauf: „100% natürlich, reiner Saft und stilles Wasser“. Das einzige, was stimmt ist das stille Wasser. Weder ist dieses Getränk „natürlich“ noch „rein“. Ein Blick auf die Zutatenliste lässt erkennen: kein Direktsaft (was REINER Saft wäre!), sondern Konzentrat. Der industrielle Vorgang: nach dem Pressen wird Flüssigkeit entzogen, die kurz vor dem Abfüllen in Form von Trinkwasser wieder hinzugefügt wird. Dieser Prozess verlängert die Haltbarkeit, verringert den Lagerraum und dadurch auch die Transportkosten. Und - ist dadurch logischerweise auch billiger.

Aber: durch das Konzentrieren verringert sich auch das eigentliche Saftvolumen auf 25%. Steht also auf der Verpackung: 60% Fruchtgehalt. Dann erhalten wir bei einer Verpackungsgröße von 500ml sage und schreibe 75ml reinen Saft. Grandios! So, dafür dass ich gerade mal zwei Schluck Saft bekomme - stehen 10 Würfel Zucker auf der anderen Seite der Waage.
Wie wär´s denn einfach mit Wasser?

Fruchtzwerge. Eigentlich wurden sie von den Medien bereits breitgefächert zerrissen als Mega-Zuckerbombe. Dass man sie noch immer kaufen kann ist mir ein Rätsel…Klar, knallig bunt mit einem sich die Zunge leckenden blauen Tigerchen, der ein „+Vitamin-D“-Hämmerchen eine „50%-mehr Calcium“-Mauer beklopft. Bähm! Werbebotschaft angekommen, mehr Calcium- super, oder? Vitamin D braucht man auch, hat man mal irgendwo gehört… Also, kaufen!

Was ist also wirklich drin? So ein Becherchen hat gerade mal 50g, ist in ca. 3 Löffel also weg… Also, 3 Löffel „künstlich aromatisierter Supergenuss“ steht kontra 50 kcal (knapp 3 Würfel Zucker), künstlich hinzugefügtes Calcium (übrigens aus Calciumcitrat, welches nur 21% reines Calcium enthält) und Aromen, die mit dem was abgebildet ist nur entfernt was gemein haben.

Das eigentlich beängstigende hier ist: Die meisten sind sich des Zuckerbombardements bewusst, welches sie ihren Kids aussetzen. Aber sie tuns trotzdem… Komisch, oder?

Dann hört man Sätze wie „naja, MAL darf das schon mal sein“ (irgendwie ist das „mal“ permanent im Kühlschrank) oder „mei, wenn er´s halt so gern mag“ oder auch „man sollte auch nicht päpstlicher als der Papst sein“. Aussage 1: NEIN, zumindest nicht zu Hause. Die Kinder sind doch oft genug auf irgendwelchen Geburtstagen und die Omas, Tanten und Co. gibt´s schliesslich auch noch. Das reicht! Aussage 2: Auch hier: NEIN, dann isst er´s halt zu Hause nicht mehr. Wenn´s unbedingt was Süsses sei soll, dann kauft gefälligst einen stinknormalen (Natur-!!)Joghurt mit naturbelassenem Fettgehalt und gesüsst wird mit der selbst gemachten Marmelade oder frischem Obst! Wenn „er“ das halt nicht mag, gibt´s gar nix, basta. Aussage: 3: DOCH! Denn wenn zu Hause das Zeug rumliegt, dann wird´s gegessen, von allen (insbesondere von Papa, der sich eigentlich von seiner Wohlstandswampe verabschieden wollte). Klassische häusliche Marktsituation: Angebot und Nachfrage…

Man muss sich ganz klar vor Augen führen: Die Weichen für spätere Gewichtsprobleme (oder eben auch keine) werden in frühester Kindheit gestellt. Hört sich blöd an? Ist aber leider so: Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Fettzellen schon in dem bereits genannten Entwicklungsstadium angelegt werden. Heisst, durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung entstehen überproportional (zu) viele Fettzellen, so dass mit grosser Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass im Jugend- und Erwachsenenalter Gewichtsprobleme entstehen die auch mit noch so anstrengenden Fastenkuren dauerhaft nicht in den Griff bekommen werden können. Es kann lediglich das Volumen der Zellen verkleinert werden, jedoch verschwinden werden sie dauerhaft nicht.

Jetzt sollten wir Eltern uns dieser Verantwortung bewusst sein, in was für künftige körperliche Unstimmigkeiten wir unsere Kinder schicken, achten wir nicht auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Und diese - mit Verlaub - ist nicht schwer. Kinder nehmen an, adaptieren, ahmen nach und sind interessiert an allem was auf den Tisch kommt und - auch wenn sie zwischendurch mal etwas heikler werden und dies und das plötzlich verschmähen - unterm Strich werden sie bewusst lebende (und schlanke) Menschen!

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich die „gwamperten“ (für die preußischen Mitmenschen: wohlbeleibteren) Kinder sehe! Und es ist mir als 3-fache Mutter, Trainerin, Ernährungscoach und sehr bewusst lebender Mensch ein innerliches Bedürfnis, das Bewusstsein dahingehend zu schärfen! Nehmt Euch beim Einkaufen bitte die Zeit und werft immer mal wieder einen Blick auf die Zutatenliste. Und fangt so früh wie möglich an, ein 10jähriger ist logischerweise dezent schwieriger umzugewöhnen als ein Baby.

In diesem Sinne: morgen ist Samstag, Großfamilien-Kampf-Einkaufstag. Viel Erfolg dabei und habt dann trotzdem ein schönes und erholsames Restwochenende bevor´s am Montag nach den Ferien wieder heisst: Business as usual 🙂
Es wird sicherlich nicht mein letzter Artikel zu diesem Thema sein, den hier musste ich mir gerade einfach von der Seele schreiben.

Bleibt gesund!

Eure Michi

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